Die Bildungsarbeit des JHI begann 1992, als für Gymnasiallehrer und Lehrbeauftragte Sommerkurse organisiert wurden. Die Veranstaltung wurde unter dem Titel „Sommerschule für die Geschichte und Kultur der polnischen Juden“ geführt. Im Laufe der Jahre wurde das Programm erheblich erweitert, so werden neben Museumsbesuchen von Schulkindern auch öffentliche Lesungen geboten. Das Hauptanliegen ist es einem möglichst großen Teil der Bevölkerung die Geschichte und Kultur der polnischen Juden näher zu bringen.
Die Auseinandersetzung mit dem Holocaust stellt die Hauptaufgabe des Programms dar. Dabei sollen auch Mythen und Stereotype thematisiert und als solche entlarvt werden. Doch auch die Vermittelung der gemeinsamen Tradition und der eng verknüpften Geschichte der Polen und der Juden besitzen einen hohen Stellenwert. Der konkrete Antisemitismus in Polen, sein Ursprung und seine Erscheinungsformen werden intensiv behandelt und Lehrkräften Anregungen für Unterrichtsmethoden zu diesem Thema bereitgestellt.
Dank der in der frühen Phase des Bildungsarbeit gewonnen Erkenntnisse wurden 1993 Primärquellen aus unserem Bestand publiziert und für Oberschullehrer und Schüler bereitgestellt. Die Reihe Dzieje Zydów w Polsce: Wybór tekstów zródlowych [Die Geschichte der Juden In Polen: Eine Auswahl an Primärquellen] wurde vom polnischen Bildungsministerium als Ergänzungsmaterial für den Geschichtsunterricht für weiterführende Schulen empfohlen. Eine weitere Publikation, Studia z dziejów Zydów w Polsce [Studium der Geschichte der Juden in Polen] (2 Bände., 1995) enthält eine Auswahl der am Institut gehaltenen Vorlesungen.
In den letzten Jahren wurde im Bildungsbereich des JHI besonderer Wert auf die Vertiefung des Wissens über den Holocaust bei polnischen Schülern gelegt. Neben der Zusammenarbeit mit dem SPIRO-Institut (zur Zeit das jüdische Kulturzentrums Londons) wurden viele erfolgreiche Konferenzen für Lehrer organisiert. Es nahmen rund 300 Lehrer aus allen Teilen Polens daran teil. Zum Einen wurde das Thema der Polnisch-Jüdischen Beziehungen behandelt, zum Anderen wurde versucht ein moderneres Bild der Geschichte des Holocaust zu vermitteln und dessen Bedeutung für den Unterricht hervorzuheben.
Um die Ergebnisse unserer Arbeit einer noch größeren Zahl polnischer Lehrer zur Verfügung zu stellen, werden wir in Zukunft die interessantesten Vorlesungen, methodische Vorschläge zur Unterrichtsgestaltung und die während der Projekte benutzten Materialien veröffentlichen.